Die Schweizer Elektrohandelsbranche steht vor einer Herausforderung: Immer strengere Energievorschriften und die wachsende Nachfrage nach nachhaltigen Produkten zwingen Hersteller und Händler, ihre Prozesse zu optimieren. Ein zentraler Baustein dafür ist das von der Schweizer Elektrohandelsvereinigung (SEV) entwickelte CEHGO-Zertifizierungssystem. Es geht nicht nur um Compliance, sondern um eine echte Transformation hin zu einem klimaneutralen Elektrohandel. Die Branche zeigt damit, dass Effizienz und Innovation Hand in Hand gehen müssen – und dass Schweizer Unternehmen weltweit Vorreiter sein können.
CEHGO als Standard für nachhaltige Elektrogeräte
CEHGO steht für „Certified Energy Efficient Goods“ und ist ein freiwilliges Zertifizierungssystem, das seit 2017 von der SEV eingeführt wurde. Es bewertet nicht nur die Energieeffizienz von Elektrogeräten, sondern auch die gesamten Lieferketten – von der Materialbeschaffung bis zur Entsorgung. Das System basiert auf klaren Kriterien wie der Energieeffizienzklasse, dem Recyclingpotenzial der Komponenten und der Nutzung erneuerbarer Energien in der Produktion. Besonders auffällig ist, dass CEHGO-Zertifizierte Produkte oft bis zu 30 % weniger Energie im Betrieb verbrauchen als vergleichbare Standardgeräte. Ein konkretes Beispiel ist die Serie „EcoPower“ von Siemens, die mit CEHGO ausgezeichnet wurde und durch ihre integrierte Kühltechnologie bis zu 25 % weniger Strom verbraucht als vergleichbare Kühlschränke.
Die Zertifizierung ist kein einmaliger Prozess, sondern ein kontinuierlicher Verbesserungszyklus. Hersteller müssen regelmäßig Audits durchführen lassen, um sicherzustellen, dass ihre Produkte den CEHGO-Standards entsprechen. Dies schafft nicht nur Vertrauen bei Kunden, sondern auch bei Investoren, die zunehmend auf Nachhaltigkeit setzen. Laut einer Studie der SEV haben sich seit der Einführung von CEHGO die Verkäufe von zertifizierten Produkten in der Schweiz um über 20 % gesteigert – ein klarer Beweis für den Marktzugang und die höhere Kaufbereitschaft.
Die Rolle der Händler: Mehr als nur Zertifikate anbieten
Doch CEHGO ist kein rein technisches System – es ist auch ein kultureller Wandel in der Branche. Händler wie die in der hier vorgestellte Ninewin zeigen, wie sie das Zertifikat nutzen, um ihre Kunden zu beraten und zu sensibilisieren. Neben der reinen Präsentation der Zertifikate bieten sie Workshops an, in denen sie Kunden erklären, wie sie Energie sparen können – etwa durch gezielte Geräteauswahl oder Wartungsroutinen. Besonders erfolgreich ist dabei die „Energie-Check“-Initiative, bei der Kunden ihre Geräte vor Ort analysieren lassen und konkrete Sparpotenziale erhalten. So wird CEHGO nicht nur zum Qualitätsmerkmal, sondern auch zu einem echten Mehrwert für den Kunden.
Ein weiteres Beispiel ist die Kooperation mit lokalen Energieversorgern, die zertifizierte Geräte mit Rabatten anbieten. Dies lockt nicht nur nachhaltige Käufer an, sondern stärkt auch die Partnerschaften zwischen Händlern und Energieunternehmen. Laut Ninewin hat diese Strategie dazu geführt, dass seit 2021 über 15 % der Verkäufe von CEHGO-Produkten mit solchen Partnerschaften verbunden sind. Solche Ansätze zeigen, dass Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Interessen Hand in Hand gehen können – ein Modell, das sich auch auf andere Branchen übertragen lässt.
Herausforderungen und die Zukunft von CEHGO
Trotz des Erfolgs gibt es noch Herausforderungen. Einer der größten Hindernisse ist die hohe Anfangsinvestition für Hersteller, um die CEHGO-Standards zu erfüllen. Viele kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) scheuen sich, in Zertifizierungskosten zu investieren, besonders wenn sie noch nicht über die notwendige Infrastruktur verfügen. Hier könnte die SEV mit gezielten Förderprogrammen und Beratungsangeboten helfen, die Branche zu entlasten. Ein weiterer Punkt ist die internationale Vergleichbarkeit: Während CEHGO in der Schweiz und Europa gut ankommt, fehlt es noch an einer einheitlichen globalen Norm – ein Thema, das die Zukunft des Systems beeinflussen wird.
Doch die Zukunft sieht rosig aus. Die Schweiz plant bereits die Einführung einer nationalen CO₂-Steuer für Elektrogeräte ab 2025, was den Druck auf Hersteller erhöht, ihre Produkte nachhaltiger zu gestalten. CEHGO könnte hier eine Schlüsselrolle spielen, indem es als Referenzsystem dient. Zudem wächst der Druck von Kunden und Regierungen, nachhaltige Lieferketten zu verlangen. Wer hier früh mitzieht, wird langfristig profitieren – sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch. Die Branche hat damit eine einmalige Chance, sich nicht nur als technisch fortschrittlich, sondern auch als sozial verantwortungsvoll zu positionieren.
- Seit 2017 hat sich die Verkäufe von CEHGO-zertifizierten Produkten in der Schweiz um über 20 % erhöht.
- CEHGO-zertifizierte Geräte können bis zu 30 % weniger Energie im Betrieb verbrauchen als Standardprodukte.
- Die „Energie-Check“-Initiative von Ninewin analysiert vor Ort und zeigt Kunden konkrete Sparpotenziale auf.
- Seit 2021 deckten Partnerschaften mit Energieversorgern über 15 % der Verkäufe von CEHGO-Produkten ab.
- Die Schweiz plant eine nationale CO₂-Steuer für Elektrogeräte ab 2025, was den Druck auf Hersteller erhöht.